Berührung tut gut und ist lebensnotwendig

Die Magie der Berührung

Vor Kurzem saß ich in einem größeren Kreis mit gut gelaunten Frauen. Ich habe in die Runde gefragt: „Hast du genug Berührung in deinem Leben?“ Die Rückmeldung hat meine schlimmsten Befürchtungen bestätigt: Dreiviertel dieser wundervollen Frauen haben mit „nein“ geantwortet!

Immer wieder erlebe ich, dass gerade spirituell arbeitende Frauen alles geben. Dabei vergessen sie sich selbst oder nehmen sich nicht so wichtig. Sie wirken und weben und schuften. Sie bewegen viel im Feld. Und sie selbst? Sie kommen zu kurz – erstmal soll’s den Anderen gutgehen. Falls es dir auch so geht, schau dir gerne mein Angebot Spirituelle Auszeit für weise Frauen an.

Wie wichtig Körperkontakt für uns Menschen ist, ist lange gut erforscht und in Studien belegt. Die berühmte Familientherapeutin Virginia Satir hat mal gesagt, dass wir vier Umarmungen pro Tag zum Überleben brauchen. Das sind deutliche Worte: Berührt zu werden ist essenziell für unser Über-Leben und für unsere Gesundheit.

Ich kenne so eine undefinierbare Leere gut aus meinem Leben, denn ich war lange im Ich-schaff-das-allein-Modus unterwegs. Dabei war ich total überfordert und hatte keine Zeit, mich auch noch berühren zu lassen. Als ich anfing mich näher mit meinen Bedürfnissen zu beschäftigen, konnte ich erst nicht glauben, was ich da übers Berühren lernte. Das möchte ich gerne mit dir teilen und gebe ich dir hier Antworten auf Fragen wie:

  • Welche Art von Körperkontakt kennst du und was magst du am liebsten?
  • Was hat Berührtwerden mit deiner Präsenz zu tun?
  • Kennst du deine Wünsche und Bedürfnisse?
  • Wie kannst du als weise Frau jeden Tag gut für dich sorgen?

Hautberührung und Körperkontakt

Die wichtigste Art zu berühren, ist mit Händen, Füßen oder einer anderen Form von Körperkontakt – sozusagen von Haut zu Haut. Die Haut ist unser größtes Sinnesorgan und es gibt eine Fülle an Berührungsmöglichkeiten.

Manche sind nährend und liebevoll. Sie helfen, dass Körper, Geist und Seele im Einklang kommen. Es kann ein energetisierender, kraftvoller Körperkontakt sein, der dabei unterstützt, etwas wieder in den Fluss zu bringen. Sicherlich kennst du auch die oberflächliche oder mechanische Art, berührt zu werden. Sie gibt dir ein Zeichen, wo du Grenzen setzen kannst oder sogar musst.

Wenn deine Haut berührt wird, löst der Druck und die Wärme im Körper eine hochkomplexe chemische Reaktion aus. Als erstes wird der Botenstoff Oxytocin ausgestoßen, das sogenannte Kuschel- oder Wohlfühlhormon. Insgesamt verbessert sich dadurch dein Wohlbefinden, Ängste und Schmerzen verringern sich.

Oxytocin spielt zusätzlich eine wichtige Rolle während der Wehen und bei der Geburt und später bei der Bindung zwischen Mutter und Neugeborenem. Diese Wirkung hält an und begleitet uns durch unser ganzes Leben. Es wirkt neben vielen anderen Dingen positiv auf unsere zwischenmenschlichen Beziehungen.

Impuls für dich

Halte einen Moment inne und lass die letzten ein oder zwei Tage Revue passieren:

  • Waren da genug Berührungen für dich?
  • Was für Berührungen waren das?
  • Wie hast du sie empfunden?
  • Was haben sie bewirkt?

Körperkontakt und Sexulität

Wenn es um Hautkontakt geht, ist der Gedanke an Sex und Erotik nicht weit. Wurde dir auch vermittelt „Sex ist ein Bereich, wo ich Körperkontakt kriegen muss.“? Dafür ist dann der Mensch an deiner Seite zuständig – unabhängig davon, ob es sich um eine kurze Affäre oder eine jahrelange Beziehung handelt.

Das weite Feld von Sexualität und Erotik in einer Beziehung hat eine eigene Dynamik: Es braucht mindestens zwei Menschen dazu. Deshalb klammere ich diesen Bereich hier bewusst aus, um dir zu zeigen, dass es noch viele andere Berührungsformen gibt.

Rückzug und Präsenz

In unserem Alltag ist alles sehr schnell geworden. Deshalb tut es gut, sich bewusst für eine Zeit „unberührbar“ zu machen. Das ist zum Beispiel sinnvoll, wenn zu viele Reize da sind. Ein Rückzug nach innen für eine gewisse Zeit, bis wieder Ruhe einkehrt.

Was aber, wenn es ständig zu laut, zu schnell, zu viel ist? Ein dauerhaft zu hohes Stresslevel hat viele negative Auswirkungen im Körper. Sie können sich als Verdauungsstörungen, geschwächtes Immunsystem, Nervosität, Stimmungsschwankungen, Stoffwechselstörungen und vieles mehr zeigen.

Wenn der Körper so aus dem Gleichgewicht gekommen ist und parallel noch der lebensnotwendige Körperkontakt fehlt, kommt ein fataler Kreislauf in Gang. Viele Menschen fühlen sich allein – nicht, weil sie alleine sind, sondern weil sie zu wenig Berührung haben. Sie ziehen sich immer mehr zurück. Ihre Hilflosigkeit und Ohnmacht entladen sich zunehmend in heftigen Emotionen wie Wut, Zorn oder Angst.

Frauen, die sich in ihrer Arbeit stark für andere einsetzen und die allein leben, haben jetzt zu wenig nährenden Körperkontakt. Aber auch in einer Familie oder einer Beziehung kann bei einem hohen Stresslevel alles routiniert und gut sortiert ablaufen. Liebevolles Berühren fällt dabei unbemerkt hinten runter.

Es ist dann leichter zu sagen:
„Ich brauche das Anfassen nicht, mir geht’s besser, wenn ich allein bin“ oder
„Es ist schon okay, ich kann doch zufrieden sein mit meinem Leben (oder meiner Beziehung, meiner Familie…).“

Und gleichzeitig werden sie immer unsichtbarer und ihre Präsenz und ihre Lebendigkeit gehen gegen Null. Sie funktionieren. Mehr nicht. Stimmst du mir zu, wenn ich sage: „Richtig leben ist etwas Anderes“?

Kennst du das aus deinem Leben? Dann schau dir gerne mein Angebot Spirituelle Auszeit für weise Frauen an. Denn da geht es auch um die tiefe Weisheit, die in Berührung verborgen ist.

Körperkontakt hat eine positive Wirkung darauf hat, wie wir uns fühlen und wie wir im Leben stehen. Deshalb hat er in meiner Arbeit einen immer wichtigeren Platz eingenommen. Durch sanften, achtsamen Hautkontakt ist es auch bei hohem Stresslevel möglich, dass du dich spürst. Mit Boden unter deinen Füßen erkennst du, in welcher abwärts gerichteten Spirale du steckst. Das nehme ich immer wieder wahr, wenn ich eine Thai Yoga Session gebe.

Impuls für dich

  • Wenn du ehrlich mit dir bist: Führst du aktuell ein Leben, das dich auf körperlicher Ebene berührt?
  • Ist alles super oder redest du dir etwas ein, damit du nicht spürst, dass da was fehlt?

Wenn die Stressreaktionen in deinem Körper überhandnehmen, bist du nicht mehr wirklich sichtbar. Und zwar weder für dich selbst, noch für andere Menschen. Wenn du auf angenehme Weise berührt wirst, kann es gelingen, diesen Kreis zu durchbrechen. Du spürst dich und deinen Körper wieder.

Wünsche und Bedürfnisse erforschen

Ich wurde noch so erzogen, dass ich als kleines Mädchen höflich die Hand geben musste – auch wenn ich jemanden nicht ausstehen konnte und das Gefühl hatte, meine Hand fällt gleich ab (ein Knicks gehörte ebenfalls dazu). Wenn du mehr zu meinem Weg erfahren möchtest, schau hier Hüterin Gunda.

Genauso wie ich haben viele Frauen in ihrer Kindheit nicht gelernt, dass sie Grenzen setzen können und dürfen. Wir sind konditioniert und machen es so, weil „man es so macht“. Später mit dem „Bussi rechts – Bussi links“ oder einer überrumpelnden Umarmung ging dieses Muster weiter. Ich habe oft erst lange hinterher gepeilt, wenn ich einen nicht angenehmen Kontakt über mich hatte ergehen lassen.

Wenn du dir angeschaut hast, welche Berührungen dir guttun, bist du einen großen Schritt gegangen. Wenn du das dann mit Worten oder klarer Körpersprache kommunizieren kannst, hast du ganz viel gewonnen.

Ist das neu für dich oder spürst du, dass du noch nicht klar bist? Ich lade dich ein: Beobachte dich im Alltag und mach dir Notizen. So siehst du, ob sich etwas verändert hat. Ich gebe dir für dein Erforschen einige Fragen mit.

Impuls für dich

  • Wie machst du das normalerweise bei einer (ersten) Begrüßung?
  • Bevorzugst du ein Hallo, die Hand reichen, Küsschen rechts und links oder eine angedeutete oder innige Umarmung? Ist es eher distanziert, mit rausgestrecktem Po, hingehaucht, mit dem ganzen Körper?
  • Wie unterscheidest du zwischen Menschen, die dir vertraut sind und denen, die du (noch) nicht kennst?
  • Gehst du davon aus, dass andere Menschen es auf die gleiche Weise mögen, berührt zu werden, wie du?
  • Bittest du darum, wenn du den Wunsch hast, dass jemand dich in die Arme nimmt, deine Hand hält oder einen Arm um deine Schulter legt?
  • Kannst du das gleich gut, wenn es dir gut oder nicht so gut geht?
  • Hat dich mal jemand um eine Umarmung gebeten und wie hast du reagiert?
  • Gibt es für dich einen Menschen, der immer für dich da ist, wenn du Sehnsucht nach Berührtwerden hast?

Ja, so mag ich Berührung

Berühren und berührt werden hat viel mit Grenzen (er)kennen und Grenzen setzen zu tun. Der erste Schritt dahin ist, dass du deine Wünsche und Bedürfnisse kennst. Erst dann kannst du beginnen, es umzusetzen. Unabhängig davon, ob du gut vertraut bist mit deinen Bedürfnissen oder ob du am Anfang deiner „Reise“ stehst: Du kannst dir ohne viel Aufwand jederzeit selbst ein berührendes Geschenk machen. Dafür habe ich ein paar Tipps für dich.

Probier aus, was dich anspricht.

10 Tipps für dich

Tipp 1 – Wasser
Lass dich bewusst vom Wasser streicheln, wenn du ein Schaumbad nimmst oder dich beim Duschen berieseln lässt.

Tipp 2 – Bürstenmassage oder Eincremen
Reib deine Haut mit einem rauen Massageschwamm oder einer Bürste ab, bis alles warm und gut durchblutet ist. Danach ist es wundervoll, den ganzen Körper mit einem nährenden Öl oder einer beruhigenden Creme zu versorgen.

Tipp 3 – Lass deine Sinne berühren
Nimm deine anderen Sinne mit dazu: Genieß deine Lieblingsmusik oder einen Duft, den du gernhast. Lass dich vom Wind durchpusten oder von wärmenden Sonnenstrahlen umschmeicheln. Versinke im verzaubernden Anblick von Sonnenuntergang oder Sternenhimmel. Und nicht zu vergessen: Verwöhn dich kulinarisch mit einem leckeren Essen.

Tipp 4 – Bitten um …
Bitte einen Menschen, dem du vertraust, um eine Umarmung oder dass er oder sie deine Hand für einen Moment hält.

Tipp 5 – Auch online?
Wenn kein Mensch bei dir ist, du aber über Telefon oder Chat jemanden erreichen kannst, bitte auf diesem Weg um einen Moment der Nähe und einen Arm um deine Schultern.

Tipp 6 – Kinder
Kinder knuddeln richtig gerne, wenn sie selbst entscheiden können, wie sie es haben möchten.

Tipp 7 – Tiere
Ganz wundervoll ist es, wenn du ein Tier hast, mit dem du kuschelst oder das du streichelst.

Tipp 8 – Baum
Wenn du draußen bist, frag einen Baum, ob du dich anlehnen oder ihn sogar umarmen darfst.

Tipp 9 – Umarm dich selbst
Leg dir deine Arme um die Schultern, halte dich und wiege dich genussvoll, so lange du magst. Spür deinen Atem und wie er den Brustkorb bewegt. Genieß die Wärme deiner Hände.

Tipp 10 – Selbstmassage
Und wenn dir das alles nicht gefällt, teile ich noch meinen Lieblingstipp mit dir: die Selbstmassage. Dabei ist es egal, ob du deine Füße liebevoll knetest, deine Arme oder Beine ausstreichst, deinen Bauch in achtsam kreisenden Bewegungen streichelst oder deine Pobacken knetest. Ganz wundervoll ist so eine Massage auch von Kopf bis Fuß, wenn du mehr Zeit hast.

Gibt es etwas, worauf du achten darfst? Ja, auf jeden Fall! Du darfst dieses Berührt-Sein genießen, es mit ganzem Herzen empfangen und voller Dankbarkeit diesen Moment erleben, den du dir gerade schenkst.

Und was ist, wenn du das mit dem Genießen nicht hinbekommst, weil in dir oder um dich herum alles aus dem Gleichgewicht geraten ist? Dann schenk dir genau deshalb so oft wie möglich kleine Berühr-Portionen. Das hilft dir, dass deine Nerven sich beruhigen, dass du wieder Boden unter den Füßen spürst und vor allem, dass du um Hilfe bitten kannst, wenn du die Situation alleine nicht bewältigen kannst.

Erforsche deinen Wunsch nach Berührung

Vor einiger Zeit hatte ich einen intensiven Austausch zum Thema Berührung mit Ina Lavea Mörtel. Sie ist Mentorin für weibliche Sexualität & Frau-Sein, Raumhalterin für Frauengruppen und Wegbegleiterin für Frauen.

Es war sofort klar: Mit diesem Thema wollen und müssen wir mehr Frauen erreichen. Uns war bewusst, dass es für einen wahrhaftigen und tiefen Austausch Ruhe braucht und Vertrauen und einen Raum, in dem die Frauen sich sicher und geschützt fühlen.

Aus diesem Gedanken haben wir eine Workshop-Reihe konzipiert, die mit einem ersten berührenden Wochenende vom 28.-30. März 2025 „Frau-Sein und Berührung“ in der Kleinen Dorfschule stattfindet. 

Er richtet sich an Frauen, die ihr Frau-Sein und ihren Wunsch nach guter, nährender Berührung erforschen und erfahren möchten. Es geht darum, Wünsche klar zu formulieren, „ja“ und „nein“ sagen zu üben, eigene Grenzen wahrzunehmen und Worte dafür zu finden.

Neben einem kleinen theoretischen Teil wird es viele berührende Übungen und Raum für Austausch untereinander geben. So können sich Gedanken zu Worten formen und jede Frau kann sie mit in ihren Alltag nehmen – Worte, die um die gewünschte Berührung bitten und die unmissverständliche Grenzen setzen.

Berühren ist viel mehr als anfassen

Berühren und sich berühren lassen hat unfassbar viele Facetten. Vielleicht hast du ja noch mehr Ideen und konkrete Wünsche, wie du mehr davon in deinen Tag holen magst. Ich freue mich, wenn du dazu etwas in den Kommentaren schreibst.

Für mich selbst und in meiner Arbeit ist Berühren nicht wegzudenken. Am liebsten gebe ich Berührung in einer Thai Yoga Session weiter:

Während die Person, die empfangen möchte, auf einem dicken Futon auf dem Boden liegt, bewege ich mich in fließenden Bewegungen um sie herum. Mit meinen Händen oder Füßen dehne, strecke, drücke, halte ich in einem meditativen „Berührungstanz“ behutsam den ganzen Körper. So werden Energieflüsse im Körper harmonisiert und in Bewegung gebracht. Schon nach kurzer Zeit breitet sich eine tiefe Entspannung bis in den Kern jeder Zelle aus.

Diese Art der Körperarbeit fließt im wahrsten Sinne des Wortes in meine Arbeit ein. Nicht nur am Welt-Knuddeltag (21. Januar), sondern in jeder Thai Yoga Session, in meinen Yogakursen oder für die Frauen, die zu einer Spirituellen Auszeit in meine Kleine Dorfschule kommen. Und nicht zu vergessen: Für mich selbst. Denn ich bin der wichtigste Mensch in meinem Leben.

Ich liebe es zu berühren und ich freue mich, wenn du Lust auf mehr davon in deinem Leben bekommen hast.

Gunda Ganga
Hüterin von Orten für weise Frauen

2 Gedanken zu „Die Magie der Berührung“

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